Die Musikwerkstätten von Vincentino ermöglichen an derzeit fünf Berliner Schulen in sehr herausfordernden Kiezen Schüler*innen mehr Selbstwirksamkeitserfahrungen durch den Musikinstrumentenbau und das Einfühlen in Musik. Dennoch gibt es z.B. an der Förderschule in der Neuköllner Sonnenallee oder an der Grundschule am Kottbusser Tor immer einzelne Kinder, die noch mehr Aufmerksamkeit in einer Eins-zu-Eins Betreuung brauchen. Dies sind oft junge Schüler*innen mit traumatischen Erfahrungen, wie Kriegs-, Flucht- und Gewalterfahrungen oder Kinder, die aus stigmatisierten Verhältnissen kommen, unter Armut oder Problemen im Elternhaus leiden. 

Die „Initiative Laut-Verstärker“ ist insbesondere für mehrfach benachteiligte Kinder konzipiert, damit sie gestärkt bei den Musikprogrammen teilnehmen können. Dafür wird ein*e zusätzliche Dozent*in, ein*e sogenannte „Laut-Verstärker*in“, mit in die Vincentino-Projekte gehen, um einzelne Kinder gezielt zu unterstützen. Dies kommt wiederum dem Gruppengefüge zugute, wenn sogenannte "Systemspenger" oder sehr zurückgezogen Schüler*innen ansonsten nicht mitmachen können.

Joseph Weinberg, ein junger Musiker und Erzieher aus Südafrika, ist nun in unseren Projekten an der Adolf-Reichwein-Schule als Laut-Verstärker dabei. Er unterstützt einzelne Schüler*innen und erzählt allen von seiner Arbeit als Musiker / Instrumentenbauer („Mbira“ = „Kalimba“, aus der Instrumentenfamilie der Lamellophone), seiner Musik und Heimat. Es gibt in dieser Gruppe, die aus versch. Schüler*innen von 10-Klässern besteht, einzelne, die sich verweigern, mitzumachen und generelle Probleme in der Schule und/oder Zuhause haben. Der DIY-Unterricht geht über 2 Blöcke a 90 min und braucht viel Unterstützung von Menschen/Musikern/Künstlern von außen, zumal die Schüler*innen auch ihren WAT-Abschluss mit dem Bau der Kalimbas (mit Tonabnehmern) machen und das ein großer Erfolg und Anerkennung unserer Arbeit ist.

Durch den Bau ihrer eigenen Musikinstrumente erwerben die Schüler*innen viele praktische Kenntnisse in der Werkzeugkunde und in der Verwendung von recycelten Materialien (Papprohre, Pappmasche, Holz, Metall, Fundstücke...), die wir gratis vom Baumarkt erhalten. Der Einsatz von „Piezo“ Tonabnehmern, die die mechanische Schwingungen der Klangkörperdecke in Audiosignale wandeln, eröffnet den Schüler*innen die Möglichkeit, ihre selbstgebauten Instrumente nicht nur akustisch zu spielen, sondern, mit einem erstaunlich guten Klang, auch in Verbindung mit moderner Technologie wie einer Loop-Station zu erproben. In diesen anspruchsvollen Workhops setzten wir Joseph Weinberg ein, der sich auf den Bau und das Spielen traditioneller Instrumente aus dem südlichen Afrika spezialisiert hat. Auf der Grundlage seines Repertoires kann er mit den Schüler*innen zusätzlich zur Arbeit von Matthias Schellenberger musikalische Ausdrucksfähigkeit mit Schwerpunkt auf rhythmischer und melodischer Improvisation mit den Schüler*innen entwickeln. Das gemeinsame Musizieren verlangt von den Teilnehmer*innen, dass sie aufmerksam sind, einander zuhören und eine gemeinsame musikalische Sprache finden. Gleichzeitig ist es ein kreativer Prozess, bei dem sie mit selbstgebauten Instrumenten mit Klängen experimentieren und Selbstvertrauen entwickeln, indem sie sich kreativ ausdrücken. Von daher sind wir sehr dankbar, Joseph Weinberg mit dem Programm Lautverstärker hier zusätzlich einsetzen zu können.

Bei einem Termin an der Jens-Nydahl-Grundschule am Kottbusser Tor in Kreuzberg war in dem Drumwerksatt-Bandprojekt Renas Ibrahim als Laut-Vertsärker dabei: Der syrische Musikdozent Renas Ibrahim unterstützte dabei das Band Projekt mit den jungen Schüler*innen von Illay Chester. Durch seine Unterstützung konnte die Gruppe geteilt werden und die Harmonie des Stückes wurde für die Kinder vereinfacht, um mitspielen zu können.

Wir danken der Berliner Bürgerstiftung für die Vermittlung und der Stiftung Hardegen für die Unterstützung dieses zusätzlichen Programms.

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