In der Projektwoche zu Beginn des Schuljahres 2020/21 erkundeten Schüler*innen aus der Bötzow-Grundschule das junge jüdische Leben in Berlin. Zusammen mit der Autorin Mirna Funk und dem Medienprofi Matthias Schellenberger/MASCH besuchten sie spannende jüdische Orte und hielten ihre Eindrücke mit Fotos, mit Video- und Audio-Aufnahmen fest. 

Die Schüler*innen diskutierten mit Protagonist*innen aus der junge jüdischen Szene, wie Julia Y. Alfandari von DAGESH – Jüdische Kunst im Kontext und von Keschet, einer jungen Initiative von jüdischen Queers und Friends/Allies. Die Kinder besuchten mit Mirna und MASCH die Synagogen in der Rykestraße und am Fraenkelufer. Die Kids stellten viele Fragen und informierten sich, um nach der Projektwoche die Erlebnisse und Fragen wiederum im eigenen Umfeld zu thematisieren und Stimmungen und Meinungen dazu festzuhalten.

Sie bearbeiten in wöchentlichen Medienunterricht an der Schule gemeinsam den Input, sichteten und schnitten das Material der Projektwoche und machten weitere Interviews vor Greenscreen. Und sie bereiteten eine Präsentation vor, bei der sie ihre Eindrücke mit anderen Schüler*innen teilen wollen. Aufgrund der Pandemie ist nun aus der ursprünglichen Präsentationsidee mit Gästen eine Ausstellung in der Schule geworden, die Kinder, Eltern und Lehrer betracheten können, sowie ein Film, der in der Schule, wie auf unseren sozialen Medien gezeigt wird. Der Film ist unten verlinkt. 

Gesprächspartner*innen in der Projektwoche waren - von DAGESH - Jüdische Kunst im Kontext    https://dagesh.de:        Julia Yael Alfandari ist Projektkoordinatorin von DAGESH. Jüdische Kunst im Kontext. Julias Schwerpunkte in der politischen und kulturellen Bildungsarbeit sind Gender & Diversität, Antisemitismus und andere Formen der Diskriminierung, sowie Fragen des ästhetischen Widerstands und künstlerischer Allianzen. Sie ist in Deutschland geborenen in dritter Generation mit polnisch-jüdischen Wurzeln mütterlicherseits und sephardisch-türkischer Herkunft seitens ihres Vaters. Sichtbarkeit der Gegenwarts- und Erinnerungskultur aus einer jüdisch intersektionalen, feministischen Perspektive isdt ihr wichtig.

Noam Brusilovsky ist Theater- und Hörspielregisseur. Er studierte Theaterregie an der Hochschule Ernst Busch. Sein Theaterstück „Woran man einen Juden erkennen kann“ wurde 2016 als Hörspiel produziert. Für den SWR inszenierte er 2017 das Hörspiel „Broken German”. Als Vorlage diente der Roman von Tomer Gardi. Noams Hörspiele wurden mehrfach ausgezeichnet. Für seine Solo-Performance "Orchiektomie rechts" wurde er als Nachwuchsautor des Jahres 2018" von Theater heute nominiert. 

Von  Keshet Deutschland – The jewish LGBTQI*-Community in Germany    http://keshetdeutschland.de   Dalia Grinfeld ist stellvertretende Direktorin für Europäische Angelegenheiten bei der Anti-Defamation League (ADL). Sie hat Politische Wissenschaft und Jüdischen Studien an der Universität Heidelberg, Buenos Aires und Herzliya studiert. Darüber hinaus amtierte Dalia Grinfeld zwei Jahre lang als erste gewählte Präsidentin der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD), dessen Gründungsmitglied sie ist. Außerdem ist sie Mitgründerin und im Vorstand bei Keshet Deutschland e.V., ein Verein, der sich für die Selbstverständlichkeit von LGBTIQ*-jüdischem Leben einsetzt.        Leo Schapiro gründete Keschet mit und ist Vizevorsitzender des Vereins, außerdem ist er Rechtsanwalt und lehrt als Professor für Privates Wirtschaftsrecht an der HTW Berlin.

Von den Freunden der Synagoge Fraenkelufer e.V.     https://fraenkelufer.wordpress.com.   Naomi Henkel-Gümbel ist Rabbinatstudentin am Zacharias Frankel College in Potsdam und engagiert sich auch bei Keshet um queere jüdische Perspektiven sichtbar zu machen.      Josh Weiner. Ebenfalls Student am Rabbinerseminar am Zacharias Frankel College in Potsdam, engagiert sich für die Synagoge am Fraenkelufer.

Vincentino dankt allen Beteiligten und den Lehrerinnen Carola Fuchs und Julia Sandke und der Schulleiterin Frauke Dellas für die gute Zusammenarbeit. Das Medienprojekt wurde rmöglicht durch den Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung und der Axel Springer Stiftung. Auch hierfür einen herzlichen Dank.

Luise Belter, Freiwillige im Sozialen Jahr bei Vincentino, berichtete über die Projektwoche:

An der Projektwoche nahmen Schüler*innen aus mehreren 5. Klassen der Bötzow-Grundschule und zwei begleitende Lehrer*innen teil. MASCH hielt gemeinsam mit den Kindern viele Momente auf Video fest. Mirna Funk, eine junge jüdische Schriftstellerin und Journalistin, hat die Schüler*innen durch die Woche mit viel Input begleitet. Zu Anfang gibt es eine Vorstellungsrunde. Sie erzählt den Schüler*innen über die jüdische Tradition: über Feiertage, den Glauben im Allgemeinen, Rituale und vieles mehr. Wir schrieben vieles davon auf große Plakate und kommentierten mit Post Its. Danach gab es eine Fragerunde, in der die Schüler*innen sehr interessiert viele Fragen stellten. Eine kleine Hausaufgabe bekamen sie auch. Sie sollten ihre Eltern fragen, was sie über das Judentum wissen, und aufschreiben welche Fragen die Eltern zu dem Thema haben. Dies stellten sie am nächsten Tag vor.          Dann ging es in einen Park. Dort machten wir es uns mit Decken gemütlich. Diesmal war nicht nur Mirna dabei, sondern Leo und Dalia von dem Verein Keshet Deutschland e.V., die mit den Kindern über ein ganz bestimmtes Thema redeten. Das Wort „Keshet“ kommt aus dem hebräischen und heißt übersetzt „Regenbogen“. Das spiegelte auch das heutige Thema gut wider. Der Verein beschäftigt sich nämlich mit queeren jüdischen Lebensweisen und will diese sichtbarer machen. Darum sollte es gehen. Zuerst ging es los mit einem Spiel. Dabei ging es um Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Es sollte klar machen, dass alle Menschen unterschiedlich sind und das völlig normal ist. Man kann Vorlieben und Eigenschaften nicht ändern, sie sind einfach da. Und genau so ist es auch mit Homosexualität. Dies erklärten sie im Nachhinein. Es gab eine kleine Einführung in das Gebiet mit Begriffsklärung, bei der die Kinder auch schon unglaublich viel wussten und sehr viel Interesse zeigten. Die Schüler*innen bekamen verschiedene Textpassagen über die Geschichte von Homosexualität, insbesondere dessen Anerkennung in der Gesellschaft, die sie in die richtige Reihenfolge bringen sollten, um deutlich zu machen, warum das Thema auch explizit in Verbindung mit dem Judentum so wichtig ist. Am Ende stellten die Kinder noch viele Fragen.         Am nächsten Tag beschäftigten wir uns mit jüdischer Kunst. Was kann man als jüdische Kunst bezeichnen? Kann deutsche Kunst jüdisch sein? Kann jüdische Kunst deutsch sein? Dafür besuchten wir die größte Synagoge in Deutschland. Dort warteten Julia und Noam auf uns. Bevor es richtig losging, zeigte Julia uns die Synagoge und erzählte dazu und wir spielten ein Kennlernspiel. „Ich bin (Name), die Königin von Deutschland und wünsche mir (...)“. Um eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, stellten wir unsere eigenen Regeln auf, die in dieser Zeit gelten sollten.       Die am Anfang gestellten Fragen wurden jetzt noch einmal gestellt. Die Kinder wurden in Gruppen eingeteilt und hatten jeweils 2 Minuten Zeit, um die Fragen zu besprechen und sich Notizen zu machen. Als alle fertig waren, wurden die Ergebnisse in der großen Gruppe ausgetauscht. Es ging einfach los mit Fragen wie „Was ist deutsch?“ oder „Was ist jüdisch“ und ging weiter mit Fragen wie „Was ist jüdische Kunst?“, „Was ist deutsche Kunst?“, ….       Um noch tiefer in das Thema zu gehen, spielte Noam ein Hörspiel vor, das er selbst produziert hatte. Dort ging es um das Buch „gebrochenes Deutsch“ (Broken German) von Tomer Gardi, einem israelischen Schriftsteller. Er ist nach Deutschland gezogen und hat nie wirklich Deutsch gelernt. Es sollte die Frage behandelt werden, ob es sich hierbei um „richtiges“ Deutsch handelt, was letztendlich in die Tatsache überging, dass dies keine Rolle spielt, weil der Schwerpunkt hierbei bei der Kunst liegt und nicht bei der Sprache.       Am Nachmittag bekamen die Schüler*innen, ähnlich wie am Tag mit den Leuten von der Organisation „Keshet“, Papierschnipsel mit Sätzen aus verschiedenen Biographien und sollten diese in verschiedenen Gruppen in die richtige Reihenfolge bringen.         Der letzte Tag begann mit einem Ausflug nach Kreuzberg. Dort befindet sich die Synagoge Fraenkelufer e.V., wo Naomi auf uns wartete. Sie ist Rabbinatstudentin und regelmäßige Besucherin der Synagoge. Sie erzählte uns viel über diese Synagoge, über Gottesdienste und wie ihr Beruf als Rabbinerin sein wird. Sie erklärte uns den Essenraum und den Raum, wo die Gottesdienste stattfinden. Dort konnte sie den Schüler*innen sogar die Tora zeigen. Wir durfte sie aber nicht anfassen.         Mit einer Fragerunde fand die ganzen Projektwoche den Abschluss. Jetzt haben die Schüler*innen gemeinsam mit den Lehrer*innen und MASCH und Mirna die Aufgabe, alle Erlebnisse und die vielen Videomitschnitte in kleine digitale Beiträge umzusetzen. Dafür haben sie bis zu den Herbstferien Zeit.

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