Programmreihe: Andere Lebenswelten kennenlernen - Fokus junges jüdisches Leben in Berlin, kuratiuert von Ulla Giesler, Kulturwissenschaftlerin in Zusammenarbeit mit Mirna Funk, Autorin und Journalistin und Matthias Schellenberger, Leiter der Medienwerkstatt von Vincentino e.V. 

https://www.instagram.com/juedische_lebenswelten/

Die Medienwerkstatt veranstaltet gemeinsam mit jungen jüdischen Protagonist*innen die Projektreihe für Kinder und Jugendliche in Berliner Schulen. Dabei gewinnen die Schüler*innen Einblicke in junge jüdische Lebenswelten. Die jungen Stadtbewohner*innen dokumentieren ihre Erfahrungen, Erlebnisse und Diskussionen in den Begegnungen mit jüdischen Mitmenschen mit Unterstützung der Medien-Dozent*innen von Vincnetino digital und tauschen ihre Erkenntnisse mit Freunden, Eltern, und Gruppen aus anderen Kiezen aus.

Das Projekt baut auf direkte Begegnungen der Kinder und Jugendlichen mit jüdischem Leben in Berlin auf. Mit couragierten jüdischen Expert*innen lernen Kinder zwischen 9 und 16 Jahren ihnen unbekannte Orte oder Institutionen kennen. Sie besuchen, recherchieren und besprechen diverse alltägliche Lebenswelten, z.B. Initiativen wie "Meet a Jew", Keshet e.V., Dagesh e.V. , einen Jüdischen Kindergarten oder Schule, einen koscheren Supermarkt, jüdische Lokale, eine Synagoge uvm. Orte, Personen und Lebenspraktiken, die die Protagonist*innen ins Spiel bringen.

Eine der PROTAGONIST*innen, die mit den Kids arbeiten, ist Mirna Funk (Autorin, Jornalistin), weitere Gäste sind Nitsan Bernstein (Musikerin), Illay Chester (Musikerin)Yana Lemberska (Dagesh e.V.), Noam Bruslovski (Hörspielmacher, Regisseur), Julia Alfandari (Künstlerin, Aktivistin), Yoed Sorek (Kantor, Musiker), Ben Salomo (Rapper, Aktivist), Yeal Reveneu (Regisseurin)Miki Hermer (Referentin Amadeau Antonio Stiftung), Guy Balassiano (Gastronom) & Frau, Noa Rosenberg (Design-Studentin), Josh Weiner (Rabbiner), Shani Leidermann (Gastronomin), Andreas Toelke (Journalist, Aktivist Be an angel e.V.), Lea Streisand, (Autorin)

Im Projekt geht es immer interaktiv zu. Die Protagoinist*innen & Dozent*innen lassen die Schüler*innen erzählen, was ein Jude ist; wer jemanden kennt; woher die Informationen stammen? Alle dürfen wertfrei alles aussprechen, oder man schreibt anonym auf, welche „Begriffe“ einem durch den Kopf gehen. Die Aussagen und Fragen der Schüler*innen werden diskutiert, deren Bedeutungsvielfalt betrachtet. Besuche an jüdische Orte werden recherchiert und umgesetzt und interessante junge Jüd*innen eingeladen.

Die Medienprojekte erkunden die Heterogenität des jungen jüdischen Lebens, bei denen die Kids kurze digitale Beiträge erstellen. Die Projektstunden finden im Unterricht, als Projektwoche oder als Projekttage an der Schule statt und schließen - wenn möglich - mit öffentlichen Präsentationen ab. Vincentino wünscht sich, den Kindern und Jugendlichen mit ihren Ideen und Vorstellungen eine öffentliche Stimme zu geben, deshalb laden wir wenn möglich zu den Präsentationen Gäste aus anderen Initiativen oder Persönlichkeiten aus Berlin ein. 

Die jüdischen Protagoinist*innen erarbeiten die Inhalte, die die Kids später auf Instgramm, facebook, ihrem Schul-Blog oder andren Medien posten mit den Kindern, Medienprofis Matthias Schellenberger und Rilana Kubassa den begleitenden Lehrer*innen. Sie coachen die Schüler*innen und geben ihnen Unterstützung, das passende mediale Format zu finden, um ihre Erfahrungen digital zu dokumentieren. Die Kinder interviewen viele Personen, um verschiedene Meinungen herauszuarbeiten. Danach tauschen die Kinder ihre, und die gesammelten Haltungen im eigenen Zuhause und mit Kindern aus.

Wir arbeiten dabei auf Augenhöhe mit den Kids. Daher planen wir die Projekte sehr offen, denn der Zeithorizont für ein mediales Endprodukt (Videoclip, Stop-Trick o.ä.) kann für Förderschüler*innen in Neukölln ein ganz anderer sein, als für Grundschüler*innen in Pankow. Möglicherweise kann eine Gruppe ihre digitalen Reportagen anderen Schüler*innen in einem anderen Kiez selbst vorstellen.

Das große Ziel ist, andere Lebenswelten als die eigene kennenzulernen, sich mit eigenen Vorstellungen und Vorurteilen und von anderen auseinanderzusetzen, sich eine Meinung zu bilden und auch zuhause in einen Austausch zu treten. Dabei dürfen explizit alle Ideen, die die Kinder und Jugendlichen im Kopf haben, ausgesprochen werden. Wenn möglic h möchten wir die Kinder und Jugendlichen aus verschiedenen Stadtteilen miteinander in Kontakt bringen und sich über ihre und andere Lebenswelten zu informieren - sei es digital oder real bei Projektpräsentationen. Wir versuchen einen Austausch über Schultypen und unter verschiedenen sozialen Gruppen hinweg zu ermöglichen, um mit Kindern aus unterschiedlichen Religionen, Kulturen, Familien- und Rollenmodellen in Dialog zu kommen. 

Einige Projektausschnitte haben wir bereits beim Festival Offenes Neukölln vom 4. - 6. Juni 2021 digital vorgestellen: https://www.offenes-neukoelln.de/programm?search=Vincentino+ und auf dem Schulfest an der Adolf Reichweinschule am 3.9.2021

Folgende SCHULEN werden dabei sein:

• Bötzow-Grundschule (John-Scheer-Straße 38, 10407 Berlin)

• Adolf Reichwein Förderschule in Berlin-Neukölln (Sonnenallee 188, 12059 Berlin)

• Campus Efeuweg in Süd-Neukölln/Rudow 

• Aziz-Nesin-Grundschule, türkische Europaschule 

• Albrecht Dürer Gymnasium in Neukölln 

• Heinrich Roller Schule

Wenn Sie als Schule dabei sein möchten, wenden Sie sich bitte an Ulla Giesler unter 0179-4761446 oder giesler@vincentino.org

DIE ORGANISATION übernimmt Ulla Giesler, Kulturwissenschaftlerin, die die KONZEPTION gemeinsam mit Mirna Funk und Matthias Schellenberger erarbeitet hat. Antonia Schlesinger, Rilana Kubassa und Frauke Prasser unterstützen im Projektverlauf im Büro.

MEDIENWERKSTATT-TEAMER Matthias Schellenberger ist als umsetzungsstarker Medienprofi mit jahrelanger Erfahrung mit Kindern und Jugendlichen an „Brennpunkten" vor Ort dabei. Unter seinem Künstlernamen MASCH setzte er unzählige Medienprojekte mit Kindern und Jugendlichen für Vincentino und andere Träger um. Rilana Kubassa, Journalistin und Hörspielmacherin, wird bei zwei Klassen zusätzlich als Teamerin dabei sein, um die Jugendlichen bei Audio-Produktionen zu unterstützen. Mit dabei war im FSJ Sofie Beerfeltz (Okt 20 - Juni 21) und als Schülerpraktikantin Leiyla Yildirim (August 21 - Juni 22) 

UNTERSTÜTZER: Wir danken #2021JLID, der Axel-Springer-Stiftung und der Szloma-Albam-Stiftung für die Unterstützung.Das gesamte Programm des Jubiläumsjahres #2021 JLID Jüdischen Leben in Deutschland gibt es hier: https://2021jlid.de/programm/

ZUKUNFT Nach dem ersten Fokus 2021 auf junges jüdisches Leben möchten wir die Programmreihe gerne fortsetzen und die Lebenswelten junger Sinti und Roma, junger Muslim*innen, oder unterschiedliche Familienkonstellationen und Lebensweisen mit den Schüler*innen kennenlernen.

 

1. Projektwoche im April 2021

Wir starteten mit einer Projektwoche an der Adolf-Reichwein-Schule in Neukölln vom 19.4.- 23.4.2021, die Lehrerin Anne Gabrikowski begleitete die Klasse. Mit dabei waren:

  • Mirna Funk, Autorin und Journalistin, ist eine unserer jüdischen Protagonistinnen. Sie leitete die Kids durch die Projektwoche, erweiterte mit ihnen ihr Wissen zu jüdischer Kultur und Religion, besuchte mit ihnen eine Synagoge, ging mit ihnen im Sinne der jüdischen Essenskultur einkaufen, kochte gemeinsam mit MASCH, Sofie und Guy und den Schüler*innen und teilte mit ihnen ihr Wissen über jüdische Lebenswelten.
  • Matthias Schellenberger (MASCH), Medienprofi und Leiter der Medienwerkstatt von Vincentino e.V. Er hat für Vincentino bereits über viele Jahre in vielen Projekten mit den Kids aus der Adolf-Reichwein-Schule Video-Clips uvm gedreht und auch eine Wanderaustellung zum Widerstandskämpfer Adolf Reichwein erarbeitet, die erfolgreich tourt. MASCH erstellt mit den Kids hier die Medienbeiträge (Quiz, Film, Videoclips, Instagram-Posts, etc.) in Zusammearbeit mit Sofie Beerfeltz im FSJ, die sich ein Jahr ehrenamtlich für Vincentino engagierte.
  • Noa Rosenberg macht eine Ausbildung zur Grafikdesignerin. Als Abschlussprojekt gestaltet sie momentan ein israelisches Kochbuch mit jüdischen Traditionen. Ihr Wissen über jüdische Essensregeln und Traditionen teilt sie mit den Schüler*innen im Rahmen unseres Projektes.
  • Guy Ballassiano, besitzt das Café Mugrabi, ein Deli mit moderner Levantenküche in Kreuzberg. Zusammen mit ihm bereiten die Kids Mahlzeiten nach der jüdischen Tradition zu. Die Website seines Cafés: https://www.cafemugrabi.com/ 
  • Josh Weiner, Rabbi, Sozialarbeiter und Lehrer, führte die Kids durch die Synagoge am Fraenkelufer.  Die Schüler*innen der Adolf Reichwein Schule haben gute Fragen gestellt, und wir haben viel zusammen gelacht. Für mich ist es wichtig, dass Juden in Berlin als Nachbarn gesehen werden und nicht als Fremde.  Rabbi Josh Weiner

 

Ausschnitt aus Noa Rosenbergs Projekt im Rahmen ihres Studiums.

Bericht zur Projektwoche im April 2021, erstellt von unserer Freiwilligen Sofie Beerfeltz:

Der erste Tag begann mit einer Vorstellungsrunde, in der sich die Dozenten Matthias Schellenberger, Leiter der Medienwerkstatt von Vincentino, und Mirna Funk, jüdische Journalistin und Schriftstellerin und ich, Sofie Beerfeltz im Freiwilligen Sozialem Jahr bei Vincentino, den Schüler*innen vorstellten. Nachdem wir das Programm für die kommende Woche mit den Kindern besprochen hatten, schrieben sie anonym Begriffe auf, die sie vom Judentum kannten. Die Zettel wurden eingesammelt und gemeinsam in die Kategorien Religion, Kultur und Geschichte geordnet. So konnten wir bereits über ein paar grundlegende Merkmale des Judentums reden und stellten erste Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Judentums zu anderen Religionen, insbesondere den Islam, fest.

Am zweiten Tag besuchte uns ein jüdischer Koch, Guy Ballassiano, der seit mehreren Jahren in Deutschland lebt und in Berlin ein israelisches Restaurant besitzt. Mit ihm und einer jungen jüdischen Designerin Noa Rosenberg, die gerade an einem israelischem Kochbuch arbeitet, planten wir, welches Essen wir am nächsten Tag kochen würden. Dabei wählten wir die verschiedenen Gerichte wie „Shakshuka“ – pochierte Eier in einer Tomatensoße mit Paprika und Zwiebeln - anhand der Lieblingsessen der Kinder aus. Gleich danach schrieben wir eine lange Einkaufsliste und zogen los, um die einzelnen Zutaten zu kaufen.

Am Mittwoch begann das eigentliche Kochen: Wir schälten jede Menge Kartoffeln und schnippelten Zwiebeln, Tomaten und allerlei anderes Gemüse. Wir brutzelten die israelische Kartoffelpuffer „Latkes“ und backten sogar selber traditionelles jüdisches Zopfbrot namens „Challah“. Für das leckere Ergebnis – so waren sich alle einig - hat sich die ganze Arbeit gelohnt. Und das gemeinsame Essen auch mit Guys Frau und Tochter und allen Schüler*innen war sehr schön.

Am darauffolgenden Tag gingen wir gemeinsam zu einer Synagoge und trafen den Rabbiner der Gemeinde, Josh Weiner. Er erzählte uns viel über das gemeinsame Beten, die Geschichte der Synagoge und – was für mich am faszinierendsten war – auch etwas über die Tora. So wird das heilige Schriftstück der Juden genannt. Sie ist ausgerollt so lang wie ein Fußballfeld und besteht aus Kuhhaut. Da die Tora heilig ist, darf dem Schreiber bei der Herstellung kein einziger Fehler passieren, sonst muss er von vorne anfangen. So etwas kann bis zu zwei Jahren dauern.

Am letzten Tag unserer Projektwoche besprachen wir noch einmal alle Eindrücke, die wir diese Woche gesammelt haben, wir sichten das digitale Material, schauten die Fotos und filmischen Mitschnitte an, die wir in den kommenden Wochen verarbeiteten zu kleinen Clips für usneren Instagram-Account: juedische_lebenswelten. Es war schön zu sehen, an wie viel sich die Schüler*innen erinnerten.

 

2. Projektwoche im August 2021 an der Bötzow-Grundschule

 

Weitere vier Projekte finden am Neuköllner Albrecht Dürer Gymnasium statt mit Schüler*innen der 5./6. und 7./8. Klasse und jeweils 8. - 10. Wochen immer freitags morgen. Die 5./6. Klässler*innen beschäftigt das Thema "Musik und Jüdische Lebenswelten" gemeinsam mit Nitsan Bernstein (Musikerin), Illay Chester (Musikerin), Yoed Sorek (Kantor, Musiker), Evi Fillippou (Musikerin).

Die Schüler*innen der 8./9. Klasse recherchieren, führen Interviews und lernen journalistisch Schreiben mit Mirna Funk (Autorin), Lea Streisand (Autorin), Andreas Toelke (Journalist, Aktivist Be an angel e.V.), Lea Streisand (Autorin), Yeal Reveneu (Regisseurin), Miki Hermer (Referentin Amadeau Antonio Stiftung) uvm.

 

Videos

Interview mit Restaurantbesitzer Guy Ballassiano
Projektausschnitte für das Festival "Offenes Neukölln"
Zusammen geht's besser! (Bötzow-Grundschule)
Film aus der Projektwoche im August 2021 an der Bötzow-Grundschule

Projekte