Programmreihe: Andere Lebenswelten kennenlernen - Fokus junges jüdisches Leben in Berlin, kuratiert von Ulla Giesler, Kulturwissenschaftlerin in Zusammenarbeit mit Mirna Funk, Autorin und Matthias Schellenberger, Medienwerkstattleiter von Vincentino e.V. im Festjahr #2021 - 1700 Jahre Jüdisches Leben in Berlin. Organisation: Ulla Giesler, Kulturwissenschaftlerin, Antonia Schlesinger, Rilana Kubassa und Frauke Prasser unterstützen im Projektverlauf im Büro.

Die Programmreihe baut auf direkte Begegnungen von Kinder und Jugendlichen mit jüdischem Leben in Berlin auf. Mit couragierten jüdischen Expert*innen lernen Kinder und Jugendliche, ihnen unbekannte Orte, Institutionen und Initiativen kennen, wie "Meet to Respect", Keshet e.V., Dagesh e.V. , jüdische Schulen, koschere Läden, jüdische Lokale, jüdische Gastronom*innne, die Synagoge in der Rykestraße und am Fränklufer, das Jüdische Museum, das Centrum Judaikum, das Anne Frank Museum, das jüdische Kindermuseum, das Museum in der Blindenwerkstatt von Otto Weidt, dem Kunstfestival Intransit am Holzmarkt. Viele Orte, Personen und Lebenspraktiken, die die Protagonist*innen ins Spiel bringen. Die Schüler*innen besuchen, recherchieren und besprechen in den Projekten diverse alltägliche jüdische Lebenswelten und setzen ihre Erlebnisse in vielen kreativen Prozessen medial um.

Unterstützt werden die meist jungen jüdischen Protagonist*innen in den Projekten an Berliner Schulen von den Dozent*innen aus der Medienwerkstatt von Vincentino e.V.: Matthias Schellenberger und Rilana Kubassa. Die jungen Berliner*innen dokumentieren ihre Erlebnisse in den Begegnungen mit jüdischen Mitmenschen mit der Medienprofis digital und tauschen ihre Erkenntnisse mit Freunden, Eltern und Lehrer*innen aus, siehe: https://www.instagram.com/juedische_lebenswelten/

Eine der PROTAGONIST*innen, die mit den Kids interagieren, ist Mirna Funk (Autorin, Jornalistin) mit der wir die Reihe entwickelten. Weitere Gäste waren: Nitsan Bernstein (Musikerin), Illay Chester (Musikerin, Köchin uvm)Yana Lemberska (Dagesh e.V.), Noam Bruslovski (Hörspielmacher, Regisseur), Julia Alfandari (Künstlerin, Aktivistin), Yoed Sorek (Kantor, Musiker), Ben Salomo (Rapper, Aktivist), Yeal Reveney (Regisseurin)Miki Hermer (Amadeau Antonio Stiftung), Guy Balassiano (Gastronom) & Frau, Noa Rosenberg (Design-Studentin), Josh Weiner (Rabbiner), Shani Leidermann (Gastronomin), Andreas Toelke (Journalist, Aktivist Be an angel e.V. / Kreuzberger Himmel), Lea Streisand (Autorin), Shai Schiff (Designerin), Guy Mesika (Grafiker und Hobbykoch), Robert Schulzmann (Kameramann), Nirit Ben-Joseph, Alex Green, Silvia Cresti, David ScheveBirgita Martens​ (City- und MuseumsGuides).

In den Projekt geht es immer interaktiv zu. Die Protagoinist*innen & Dozent*innen lassen die Schüler*innen erzählen, was ein Jude ist; wer jemanden kennt; woher die Informationen stammen? Alle dürfen wertfrei alles aussprechen oder man schreibt anonym auf, welche „Begriffe“ durch den Kopf gehen. Die Aussagen und Fragen der Schüler*innen werden diskutiert und deren Bedeutungsvielfalt betrachtet. Die Medien- und Begegnungsprojekte erkunden die Heterogenität des jungen jüdischen Lebens und halten dies mit den Kids in kurzen digitalen Beiträge fest. Die Projektstunden finden im Vormittagsunterricht, als Projektwoche oder als Projekttage an der Schule statt. Die jüdischen Protagoinist*innen und Dozent*innen erarbeiten mit den Kids die Inhalte, die später auf Instgramm, facebook oder ihrem Schul-Blog gepostet werden. Sie coachen die Schüler*innen und geben ihnen Unterstützung, das passende mediale Format zu finden, um ihre Erfahrungen digital zu dokumentieren. Die Kinder interviewen viele Personen, um verschiedene Meinungen herauszuarbeiten. Wir arbeiten dabei auf Augenhöhe mit den Kids. Daher planen wir die Projekte sehr offen, denn der Zeithorizont für ein mediales Endprodukt (Videoclip, Stop-Trick o.ä.) kann für Förderschüler*innen in Neukölln ein anderer sein, als für Grundschüler*innen in Pankow. Die digitalen Reportagen der Schüler*innen können in Schulen in anderen Kiezen angeschaut werden. Ziel ist, andere - als die eigene - Lebenswelten kennenzulernen, sich mit Vorstellungen und Vorurteilen auseinanderzusetzen, sich eine Meinung zu bilden und in einen Austausch zu treten. Dabei dürfetn explizit alle Ideen, die die Kinder und Jugendlichen im Kopf hatten, ausgesprochen werden.

Wir arbeietn nun auf eine gemeinsam Abschlussveranstaltung hin, wenn machbar am 25.2.22 am Albrecht Dürer Gymnasium. Dabei möchten wir Kinder und Jugendlichen aus verschiedenen Schulen miteinander in Kontakt bringen - am liebsten real bei einer Projektpräsentation auf der Bühne oder als Ausstellung. Wir versuchen einen Austausch über Schultypen und unter verschiedenen sozialen Gruppen hinweg zu ermöglichen, um mit Kindern aus unterschiedlichen Religionen, Kulturen, Familien- und Rollenmodellen in Dialog zu kommen. Vincentino wünscht sich, den Kindern und Jugendlichen mit ihren Ideen und Vorstellungen eine öffentliche Stimme zu geben, deshalb laden wir wenn möglich zur Abschlusspräsentationen Gäste aus allen Initiativen und alle Förder*innen ein. 

Offentlichkeitsarbeit:

In der Broschüre zum Jugendforum denk!mal ’21 wurde unsere Programmreihe bereits vorgestellt. 

Im Frühjahr, am 12.03.2021 ist Matthias Schellenberger bei der Preisverleihung mit einem 4. Platz beim Fotowettbewerb mit einem Fotos aus usnerem Pilotprojket im Fotowettbewerb „Zusammenhalt in Vielfalt – Jüdischer Alltag in Deutschland“ ausgezeichnet worden. 

Ulla Giesler präsentierte die Programmreihe auf der bundesweiten Sitzung des Stiftungsnetzwerkes Bildung am 21.04.2021 und Mirna Funk bei der Veranstalung der bpb 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland: Wege der Begegnung mit jüdischer Vielfalt im Lernort Schule am 10.11.2021.

Einige Projektausschnitte haben wir beim Festival Offenes Neukölln vom 4. - 6. Juni 2021 digital vorgestellt: https://www.offenes-neukoelln.de/programm?search=Vincentino+ und auf dem Schulfest an der Adolf Reichweinschule am 3.9.2021.

Wir bewerben uns für das Jugendforum denk!mal ’22 mit einem Beitrag aus den Musikalischen Jüdischen Lebsnwelten und hoffen mit dem Song Salaam im Abegordneten bzw bei ALEX-TV im Janur 2022 live dabei zu sein.

Für die Konzeption des Projektes ist Vincentino e.V. mit dem Preis für interkulturellen Dialog der Pill Mayer Stiftung ausgezeichnet worden. Die Pill Mayer Stiftung schlug Ulla Giesler mit der Programmreihe für den Deutschen Engagementpreis vor. Desweiteren haben wir uns beim Hauptstadtpreis für Integration und Toleranz und beim Franz-Bobzien-Preis beworben.

Folgende SCHULEN sind mit sechs Klassen in der Programmreihe dabei:  • Bötzow-Grundschule (John-Scheer-Straße 38, 10407 Berlin) - Pankow • Adolf Reichwein Förderschule in Berlin-Neukölln (Sonnenallee 188, 12059 Berlin) - Neukölln  • Albrecht- Dürer - Gymnasisum, Emser Str. 134-137, 12051 Berlin - Neukölln 

MEDIENWERKSTATT-TEAMER Matthias Schellenberger ist als umsetzungsstarker Medienprofi mit jahrelanger Erfahrung mit Kindern und Jugendlichen an „Brennpunkten" vor Ort dabei. Unter seinem Künstlernamen MASCH setzte er unzählige Medienprojekte mit Kindern und Jugendlichen für Vincentino und andere Träger um. Rilana Kubassa, Journalistin und Hörspielmacherin, wird bei zwei Klassen zusätzlich als Teamerin dabei sein, um die Jugendlichen bei Audio-Produktionen zu unterstützen. Mit dabei war im FSJ Sofie Beerfeltz (Okt 20 - Juni 21) und als Schülerpraktikantin Leiyla Yildirim (August 21 - Juni 22) 

UNTERSTÜTZER: Wir danken #2021JLID, der Axel-Springer-Stiftung und der Szloma-Albam-Stiftung für die Unterstützung.Das gesamte Programm des Jubiläumsjahres #2021 JLID Jüdischen Leben in Deutschland gibt es hier: https://2021jlid.de/programm/

ZUKUNFT Nach dem ersten Fokus 2021 auf junges jüdisches Leben möchten wir die Programmreihe gerne fortsetzen und die Lebenswelten junger Sinti und Roma, junger Muslim*innen, oder unterschiedliche Familienkonstellationen und Lebensweisen mit den Schüler*innen kennenlernen.

1. Projektwoche im April 2021

Wir starteten mit einer Projektwoche an der Adolf-Reichwein-Schule in Neukölln vom 19.4.- 23.4.2021, die Lehrerin Anne Gabrikowski begleitete die Klasse. Mit dabei waren:

  • Mirna Funk, Autorin und Journalistin, ist eine unserer jüdischen Protagonistinnen. Sie leitete die Kids durch die Projektwoche, erweiterte mit ihnen ihr Wissen zu jüdischer Kultur und Religion, besuchte mit ihnen eine Synagoge, ging mit ihnen im Sinne der jüdischen Essenskultur einkaufen, kochte gemeinsam mit MASCH, Sofie und Guy und den Schüler*innen und teilte mit ihnen ihr Wissen über jüdische Lebenswelten.
  • Matthias Schellenberger (MASCH), Medienprofi und Leiter der Medienwerkstatt von Vincentino e.V. Er hat für Vincentino bereits über viele Jahre in vielen Projekten mit den Kids aus der Adolf-Reichwein-Schule Video-Clips uvm gedreht und auch eine Wanderaustellung zum Widerstandskämpfer Adolf Reichwein erarbeitet, die erfolgreich tourt. MASCH erstellt mit den Kids hier die Medienbeiträge (Quiz, Film, Videoclips, Instagram-Posts, etc.) in Zusammearbeit mit Sofie Beerfeltz im FSJ, die sich ein Jahr ehrenamtlich für Vincentino engagierte.
  • Noa Rosenberg macht eine Ausbildung zur Grafikdesignerin. Als Abschlussprojekt gestaltet sie momentan ein israelisches Kochbuch mit jüdischen Traditionen. Ihr Wissen über jüdische Essensregeln und Traditionen teilt sie mit den Schüler*innen im Rahmen unseres Projektes.
  • Guy Ballassiano, besitzt das Café Mugrabi, ein Deli mit moderner Levantenküche in Kreuzberg. Zusammen mit ihm bereiten die Kids Mahlzeiten nach der jüdischen Tradition zu. Die Website seines Cafés: https://www.cafemugrabi.com/ 
  • Josh Weiner, Rabbi, Sozialarbeiter und Lehrer, führte die Kids durch die Synagoge am Fraenkelufer.  Die Schüler*innen der Adolf Reichwein Schule haben gute Fragen gestellt, und wir haben viel zusammen gelacht. Für mich ist es wichtig, dass Juden in Berlin als Nachbarn gesehen werden und nicht als Fremde.  Rabbi Josh Weiner

 

Ausschnitt aus Noa Rosenbergs Projekt im Rahmen ihres Studiums.

Bericht zur Projektwoche im April 2021, erstellt von unserer Freiwilligen Sofie Beerfeltz:

Der erste Tag begann mit einer Vorstellungsrunde, in der sich die Dozenten Matthias Schellenberger, Leiter der Medienwerkstatt von Vincentino, und Mirna Funk, jüdische Journalistin und Schriftstellerin und ich, Sofie Beerfeltz im Freiwilligen Sozialem Jahr bei Vincentino, den Schüler*innen vorstellten. Nachdem wir das Programm für die kommende Woche mit den Kindern besprochen hatten, schrieben sie anonym Begriffe auf, die sie vom Judentum kannten. Die Zettel wurden eingesammelt und gemeinsam in die Kategorien Religion, Kultur und Geschichte geordnet. So konnten wir bereits über ein paar grundlegende Merkmale des Judentums reden und stellten erste Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Judentums zu anderen Religionen, insbesondere den Islam, fest. Am zweiten Tag besuchte uns ein jüdischer Koch, Guy Ballassiano, der seit mehreren Jahren in Deutschland lebt und in Berlin ein israelisches Restaurant besitzt. Mit ihm und einer jungen jüdischen Designerin Noa Rosenberg, die gerade an einem israelischem Kochbuch arbeitet, planten wir, welches Essen wir am nächsten Tag kochen würden. Dabei wählten wir die verschiedenen Gerichte wie „Shakshuka“ – pochierte Eier in einer Tomatensoße mit Paprika und Zwiebeln - anhand der Lieblingsessen der Kinder aus. Gleich danach schrieben wir eine lange Einkaufsliste und zogen los, um die einzelnen Zutaten zu kaufen.

Am Mittwoch begann das eigentliche Kochen: Wir schälten jede Menge Kartoffeln und schnippelten Zwiebeln, Tomaten und allerlei anderes Gemüse. Wir brutzelten die israelische Kartoffelpuffer „Latkes“ und backten sogar selber traditionelles jüdisches Zopfbrot namens „Challah“. Für das leckere Ergebnis – so waren sich alle einig - hat sich die ganze Arbeit gelohnt. Und das gemeinsame Essen auch mit Guys Frau und Tochter und allen Schüler*innen war sehr schön. Am darauffolgenden Tag gingen wir gemeinsam zu einer Synagoge und trafen den Rabbiner der Gemeinde, Josh Weiner. Er erzählte uns viel über das gemeinsame Beten, die Geschichte der Synagoge und – was für mich am faszinierendsten war – auch etwas über die Tora. So wird das heilige Schriftstück der Juden genannt. Sie ist ausgerollt so lang wie ein Fußballfeld und besteht aus Kuhhaut. Da die Tora heilig ist, darf dem Schreiber bei der Herstellung kein einziger Fehler passieren, sonst muss er von vorne anfangen. So etwas kann bis zu zwei Jahren dauern.

Am letzten Tag unserer Projektwoche besprachen wir noch einmal alle Eindrücke, die wir diese Woche gesammelt haben, wir sichten das digitale Material, schauten die Fotos und filmischen Mitschnitte an, die wir in den kommenden Wochen verarbeiteten zu kleinen Clips für usneren Instagram-Account: juedische_lebenswelten. Es war schön zu sehen, an wie viel sich die Schüler*innen erinnerten.

2. Projektwoche im August 2021 an der Bötzow-Grundschule zum Thema Gemeinschaft

Wir haben das tolle Kindermuseum ANOHA besucht: Die Kinderwelt des Jüdischen Museums Berlin thematisiert in einer großartigen Ausstellung mit vielen Tieren aus Fundstücken und recycelten Materialien die Geschichte der Arche Noah. Die Kinder der Bötzow-Grundschule waren von den verschiedenen Stationen zum Mitdenken, Mitmachen, Klettern und Spielen schwer begeistert! Vielen Dank für die Führung durch das Museum und die Gespräche mit den netten Betreuerinnen im ANOHA. Matthias Schellenberger hat den Schüler*innen in der Vincentino-Medienwerkstatt verschiedene kreative Apps vorgestellt. Mit dem Tool "Animated Text" ist der schöne Videoclip der Kinder über "Gemeinschaft" entstanden. Wie erstellt man ein Skript für ein Hörspiel und wie produziert man es am besten anschließend in der Gruppe und mit Hilfe eines Tablets...? Die Kids hatten viel Spaß und haben dazu noch viel gelernt am dritten und vierten Tag unserer Projektwoche über das Judentum und jüdisches Leben in Deutschland. Ein kurzes Interview ist mit Birgita Martens, die uns  durch das Kindermuseum ANOHA geführt hat sehet ihr unten. Die Kinderwelt des Jüdischen Museums Berlin thematisiert in einer großartigen Ausstellung mit vielen Tieren und Exponaten aus Fundstücken und recycelten Materialien die Geschichte der Arche Noa.

Die vier weiteren Projekte seht ihr detailiert beschrieben unter: #2021JLID, MUSIK UND JOURNALISMUS: JUNGES JÜDISCHES LEBEN AM ALBRECHT-DÜRER-GYMNASIUM, NEUKÖLLN

Videos

Interview mit Restaurantbesitzer Guy Ballassiano
Projektausschnitte für das Festival "Offenes Neukölln"
Zusammen geht's besser! (Bötzow-Grundschule)
Film aus der Projektwoche im August 2021 an der Bötzow-Grundschule

Projekte